Mountainbiken und Naturschutz am Deister

Mountainbiken und Naturschutz am Deister: Passt das zusammen? Offensichtlich schon, wenn alle Beteiligten Miteinander reden und gemeinsame Lösungen finden. Im Prinzip finde ich es gut, dass die Problematik mit dem Naturschutz und den verschiedenen Interessengruppen gezeigt wird, und vor allem, dass auch deutlich wird, dass man gemeinsame Lösungen finden kann, wenn alle Beteiligten kooperieren.

Etwas befremdlich finde ich allerdings, dass jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang unzählige Wege im Wald entstanden sind, ohne dass sich irgendjemand daran gestört hätte. Die Forstwirtschaft hat seit der Industrialisierung ganze Landschaften kahlgeschlagen und dann Monokulturen mit Fichten oder Kiefern gepflanzt, die jetzt dem Klimawandel und folglich dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Wanderer haben Trampelpfade angelegt, die nun in der Tat auch von Mountainbikern genutzt und z.T. ausgebaut werden. Reiter haben Reitwege angelegt. Sicherlich gibt es Mountainbiker, die sich rücksichtslos gegenüber anderen Waldnutzern und der Natur verhalten. allerdings finde ich es ziemlich unfair, wenn nun die Mountainbiker an den Pranger gestellt werden.

Die Probleme (extensive Forstwirtschaft, Monokulturen, abgase, Umweltschäden, Klimawandel, etc.) sind viel grundlegender, tiefer und komplexer. Ich habe es selbst schon am Deister, im Harz und anderswo erlebt, dass ich penibel darauf geachtet habe, auf dem ausgewiesenen Trail zu bleiben, Rücksicht auf Umwelt und Natur zu nehmen und dann stoße ich auf eine riesige, komplett gerodete Fläche (meistens offensichtlich wegen toter Fichten durch Borkenkäfer), wo die totale Verwüstung herrscht. Die Bagger, Maschinen und LKWs zerstören wirklich die komplette Fläche. Es bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Der Boden wird durch die schweren Fahrzeuge erst aufgewühlt, dann verdichtet, es bleibt nichts mehr stehen, es wird quasi alles niedergewalzt. Die heutige Forstwirtschaft ist nicht an den Monokulturen der Vergangenheit und am Klimawandel schuld. Mit dem heutigen Gerät kann man einen toten Wald vermutlich auch nicht schonend roden (und dann wieder aufforsten).

Ich wundere mich nur, dass Mountainbiker penibel beobachtet werden, wo doch viele Flächen mit Monokulturen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eh komplett umgekrempelt werden (müssen). Das soll natürlich nicht heißen, dass Mountainbiker machen können, was sie wolle. Im Gegenteil: Umweltschutz ist wichtiger denn je. Ich plädiere aber dafür, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, dass man das Verhältnis wahrt und das man alle Waldnutzer gleichermaßen in die Verantwortung nimmt. Echter Umweltschutz packt die wahren Probleme an und verliert sich nicht in Symbolpolitik oder Aktionismus.

Wir freuen mich über Feedback. Im jeden Fall versuchen wir natürlich, so kooperativ und zielorientiert wie möglich zu agieren.